Unsere ersten Historiker ... ein Abriss


ÖSTERREICH

Karoline Cepack-Wendel, geborene Gräff (1892-1977)

Als Familiengenealogin

Karoline im Alter von 70 Jahren
Karoline im Alter von 70 Jahren

Die "Lini-Tante" war die erste aus unserer Familie die sich eingehender mit unserer Geschichte beschäftigte. Aufgrund ihres Wissens von den "alten Gräffs" und deren Abstammung konnten die nachfolgenden Generationen ihre Herkunft bewahren. Karoline wusste aufgrund ihres Interesses an manigfaltigen Dingen, am Interesse und am Bewahren der Tradition nebst ihrem Bruder Alois Gräf(f) (1900-1958) als beinahe einzige der Großfamilie noch über die Abstammung der Familie bescheid. Über ihren Ururgroßvater, des um 1800 von Sachsen nach Österreich eingewanderten Stammherren Carolus Gräf(f), berichtete sie, dass er einem alten Geschlecht aus dem niederländischen entstammte, welches in derem Wappen einen Spaten führ(t)e. Über dessen Sohn Heinrich Gräf(f) (ihrem Urgroßvater) wusste sie nichts zu sagen, aber dafür über dessen Nachkommenschaft, von denen sie berichtete dass diese oftmals wohlhabendere Bauerntöchter ehelichten und so im Bauern- und Landstand aufgegangen sind. Auch nannte sie ihren Großcousin Karl Gräf, den nachmaligen Pfarrer Pater Lambert Gräf, OSB (geb 1848-ca 1905), der sich auch Graef schrieb, als Familienhistoriker. In seinem Nachlass befand sich ein kolorierter Originaldruck des Graben-Graeff Wappens aus dem 17. Jahrhundert. Karoline war zeitlebens stolz, gleich ihrem Vater den Namen ihres Stammherren zu tragen.

Wappen Graben - Graeff (kolorierter Original-Kupferstich auf altem Trägerpapier aus dem 17. Jahrhundert). Familienerbstück aus dem Nachlass von Pfarrer Pater Lambert Gräf, OSB
Wappen Graben - Graeff (kolorierter Original-Kupferstich auf altem Trägerpapier aus dem 17. Jahrhundert). Familienerbstück aus dem Nachlass von Pfarrer Pater Lambert Gräf, OSB

Biografisches

Karoline wurde am 29. September 1892 als Tochter von Karl Gräf(f) (1847-1916) und Johanna Gschwandtner (gest. 1934) geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in der Ortschaft Wanzenau (No. 9). Sie war nach dem Tod des Vaters am elterlichen Landgut beschäftigt. Später verehelichte sich sich mit dem Horner Wagnermeister Cepack, deren gemeinsames Kind sie im Mutterleib verlor. Ihr Mann verstarb Ende 1941. Karoline verblieb in Horn und ehelichte Josef Wendel. Das Ehepaar Wendel bewohnte dort das Haus Wiener Straße No. 8. Karoline wurde im zunehmenden Alter zuckerkrank, ihr wurden beide Beine amputiert, und sie verbrachte ihren Lebensabend im Horner Stephansheim. Ihr zweiter Mann ist nach ihr verstorben. Karolines Charakterzüge waren die eines treuherzigen, hilfsbereiten, aufopfernden und die eines liebevollen Menschen.

Leopoldine Gräff, geborene Kimmerl (* 1923)

Als Familiengenealogin

Leopoldine im zarten Alter von 17 Jahren ...
Leopoldine im zarten Alter von 17 Jahren ...

Die gebürtige Schwechaterin und nun langjährige Garserin, mittlerweise ofmalige Urgroßmutter, war es, die sich aufgrund des künstlerischen Talents ihres Sohnes Helmuth Gräff (* 1958) für die Ahnenforschung interessierte. Sie wollte aus gegebenen Anlass wissen, ob es in der Gräff-Familie schon einmal einen Künstler gegeben hat, und woher Helmuths Gabe herrühren könnte. Aus Gesprächen mit der "Lini-Tante" kam heraus, das sie noch nie von einem Künstler in der Gräff-Familie gehört hat. Sie riet Leopoldine zur intensiveren Ahnenforschung, denn sie wusste nicht viel mehr als dass ihr nobler Ururgroßvater Carolus Gräf(f) um 1800 aus dem heutigen Sachsen ins niederösterreichische einwanderte. Leopoldine Gräff forschte ab den 1980er Jahren in den Pfarrarchiven Altenburg und St. Pölten nach den Gräffs des 19. Jahrhunderts. Aufgrund ihrer Ergebnisse verfügen wir über einen genaueren Stammbaum der nach Österreich eingewanderten Familie.

Biografisches

Leopoldine wurde als Tochter von Ferdinand Kimmerl (1886-1930) und Maria Maly (1892-1956) geboren. Ihr Vater entstammte einen wohlbegüterten, zu Würden gekommenen Familie Kimmerl, einem Geschlecht bayrischen Ursprungs. Er war für die Produktionsauslieferung und den Vertrieb der Schwechater Kabelwerke verantwortlich, und mit einem Diensthaus im Garten der Fabrik versehen. Ihre Mutter Maria war eine Wienerin aus Hernals. Sie war die Tochter der k.u.k. Hofschneiderin Maria Maly. In ihrer Freizeit schrieb sie Gedichte und betrieb eine intensive Nähhandarbeit. Leopoldine hatte 5 Geschwister, zu denen später noch eine Halbschwester kam . Ihre Kindheit verbrachte sie in Schwechat. Mit dem Vater verbrachte die Familie ihre Sonntage am Kriauer Trasbrennplatz wo der Vater die Trabrennen verfolgte. Die Kinder unterrichte er im Pferdereiten. Leopoldines Bruder Josef (Petschi), später US- amerikanischer Dolmetch in Wien, sollte nach des Vaters Wunsch Jockey werden. Leopoldines Vater verstarb aber schon 1930. Durch seinen frühen Tod verlor die Familie ihre finanzielle Sicherheit und musste daraufhin in eine Gemeindewohnung übersiedeln. Da damit auch ein weiterer Schulbesuch der Kinder unmöglich geworden war beteiligte sich Leopoldine im Alter von 15 Jahren an einem Programm wo sie nach Deutschland, genauer nach Kleinstöckheim (Braunschweig) kam. Sie verbrachte dort zwei Jahre als Aupair-Mädchen. Nach ihrer Rückkehr fand sie eine Anstellung als Kabelflechterin. Nach kurzer Zeit lernte sie den in Schwechat stationierten Soldaten Rudolf Gräff kennen. Das junge Paar wurde am 6. Oktober 1941 von Leopoldines Onkel, dem Dekan und Stadtpfarrer Anton Rauch getraut. Als liebe zu ihrem Mann und auch wegen der Angst eines möglichen Bombadements von Wien-Schwechat zog Leopoldine zu seinen Eltern ins "Gräff-Stammhaus Am Graben" in Gars am Kamp. Rudolf verbrachte einige Jahre im Kriegseinsatz. Nachdem ihr Mann aus dem Krieg zurückkehrte wollte sie wieder nach Schwechat, was aber an den Umständen scheiterte. 1947 zog das junge Paar mit ihren mittlerweile zwei Söhnen aus Rudolfs Elrernhaus aus, wohin sie aber nach dem Tod von Josef Gräff (geb. 1886) im Jahre 1950 zurückkehrten. Sie übernahmen das Haus und die Pflege von Rudolfs Mutter Franziska Gräff. Leopoldine und Rudolf hatten insesamt sieben Kinder, fünf Buben (Rudolf, Leopold, Karl, Helmuth Herbert) und zwei Mädchen (Ingrid und Karin), welche alle von ihr großgezogen wurden. Nebst der Arbeit im Haus ging Leopoldine 1969 eine Anstellung als Näherin an. Zwei Jahre später wechselte sie als Ordinationshilfe, Rezeptionistin und Sekretärin zum Zahnarzt Klein. Sie verbrachte bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1986 16 Jahre in dieser Anstellung. 1986 traten Rudolf und Leopoldine in Vera Russwurms TV-Sendung "Hallo Fernsehen" auf. 1988 gewann das Ehepaar in der TV-Sendung "Mei liabste Wais" einen Urlaub im kärntnerischen Paternion. Von 1995 an verbrachten Rudolf und Leopoldine gemeinsam, und nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 2006, Leopoldine alleine ihre alljährliche Kur im oberösterreichischen Bad Hall.